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Irak-Krieg 2003 / 10.04.03 / Kirkuk
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Foto: Nikola Solic

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Kurdische Peschmerga in Kirkuk und an einer zerstörten, irakischen Stellung.

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In Kirkuk feiern Kurden die Eroberung und beseitigen Zeugnisse des Hussein-Regimes.

Kirkuk

Am Donnerstag haben Hunderte von kurdischen Kämpfern, die sogenannten Peschmergas, die Stadt Kirkuk eingenommen. Irakische Soldaten waren entweder vorher geflohen oder ergaben sich. Im Anschluß gab es in der ganzen Stadt Freudenfeiern. Tausende Kurden, die früher in Kirkuk beheimatet waren, haben sich aus den andren Städten nach Kirkuk aufgemacht.

Kirkuk hat für die Kurden eine besondere Bedeutung.
Seit der Machtergreifung Husseins wurden Tausende von Kurden vertrieben. Hussein siedelte stattdessen arabische Iraker in der Stadt an. Die Kurden aus Kirkuk verlangen die Rückgabe ihres früheren Besitzes und den Weggang der dort angesiedelten Araber. Der kurdische Exil-Gouverneur Nizam Madin Gly kündigte bereits an: "Die Araber haben uns Kurden vertrieben. Sie haben uns die Häuser gestohlen. Wer sein Haus auf kurdischem Boden gebaut hat, der wird enteignet.".
Wenn es nicht zu einer friedlichen Einigung zwischen Kurden und Arabern in Kirkuk kommt, oder amerikanischen Truppen oder die UNO nicht eingreifen, könnte es deshalb zu gewalttätigen Vertreibungen kommen.

Mit Mosul ist Kirkuk eines der Hauptzentren der nordirakischen Ölindustrie. Es wird geschätzt, dass mindestens ein Drittel der gesamten irakischen Ölvorkommen um Kirkuk liegen, das sind mindestens 10 Milliarden Barrel Rohöl. Die Türkei befürchtet, daß diese Ölvorkommen die wirtschaftliche Grundlage für einen unabhängigen Kurdenstaat im Nordirak darstellen könnte, der dann wiederum Unabhängigkeitsbestrebungen bei den Kurden auf dem Staatsgebiet der Türkei befördern würde.

Als erste Reaktion hat die Türkei die Entsendung von Militärbeobachtern nach Kirkuk angekündigt und zieht an der Grenze zum Nordirak die Truppen zusammen. Für den türkischen Außenminister Abdullah Gül ist ein Bleiben der Peschmerga oder gar eine Besetzung der Ölfelder durch die kurdischen Kämpfer nicht akzeptabel und der türkische Staatspräsident Sezer sagte, die Türkei müsse notfalls ihre "nationalen Belange schützen" und entsprechende "Maßnahmen ergreifen". US-Außenminister Powell und Regierungssprecher Fleischer haben draufhin der Türkei versprochen, US Truppenverbände in Kirkuk zu verstärken, die die Kontrolle in Kirkuk übernehmen und für den Abzug der Peschmerga aus Kirkuk sorgen sollen.

Vor Beginn des Irak-Krieges soll die Türkei den USA bereits mit der Entsendung von Truppen gedroht haben, falls kurdische Kämpfer Kirkuk besetzen sollten, weshalb die USA der Türkei eine gegenseitige Abstimmung beim Kriegsverlauf im Nordirak zugesichert hatte. Darauf bezieht sich wohl auch der Satz des Außenministers Gül "Wir haben sie an ihre Garantien erinnert."
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