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Irak-Krieg 2003 / 09.04.03 / Der Anfang vom Ende...?
Diese Bilder markieren wohl den Anfang vom Ende des Hussein-Regimes im Irak.
Amerikanische Verbände haben fast ungehindert den gesamten Osten und Süden Bagdads eingenommen, viele Vertreter der Hussein-Administration sollen aus Bagdad geflüchtet sein.

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Auf dem Saadun-Platz im Zentrum Bagdads läuft eine Menge Iraker zur Saddam Statue auf dem Platz zu, erklimmen den Sockel und legen der Statue einen Strick um den Hals und versuchen, sie vom Sockel zu stoßen, während andere Iraker am Rand des Platzes zuschauen.

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Foto: DPA

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Ein amerikanischer Bergungspanzer stößt bis zur Statue vor und ein amerikanischer Soldat legt zuerst - ganz in Erobererpose und medienwirksam - dem Kopf der Statue die "Stars and Stripes" um den Kopf. Als ein Iraker daraufhin sofort die irakische Flagge schwenkt, besinnt sich der Soldat anders, oder wird von anderer Stelle zurückgepfiffen und wechselt die US-Flaggenkapuze durch einen Schal aus der irkaischen Flagge aus.

Auch wenn die Bevölkerung Bagdads und des Iraks den Fall Husseins durch die alliierten Truppen, vielmehr noch das wahrscheinliche Ende der Bomben, begrüßen, wird jede Pose, in der ein amerikanischer Herrschaftsanspruch zum Ausdruck kommt, kategorisch abgelehnt. Verlassen die alliierten Verbände nach dem Krieg den Irak, werden sie für die Iraker den Irak als "Befreier" verlassen, wenn sie bleiben, dann bleiben sie aus Sicht der Iraker als "Eroberer" und "Besatzer".

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Foto: AP

Nachdem die Statue von dem amerikanischen Panzer vom Sockel gestürzt wird, zeigen Iraker wieder die irakische Flagge, jubeln und beginnen, die Statue stellvertretend für Hussein zu malträtieren.

Update: Monate nach dem offiziellen Ende des Irak-Krieges mehren sich die Informationen, dass es sich bei dem Sturz der Saddam Statue auch um eines der vielen von der US-Army und US-Regierung inszenierten Propagandaereignisse handelt. So soll die Mehrzahl der um die Statue versammelten Iraker aus irakischen Mitarbeitern von Journalisten, der US-Army und aus Taxifahrern bestehen, die von der amerikanischen Militärführung für das "Event" zum Platz "bestellt" wurden. Der angebliche Fehler des G. I. mit der Flagge soll eine bewußte Aktion sein, um eine Aufnahme mit US-Flagge für die amerikanischen und eine mit irakischer Flagge für die irakischen Medien zu erhalten.

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Während die symbolträchtigen Bilder vom Sturz der Husseinstatue auf dem Saadun-Platz entstehen, kämpfen an anderen Stellen in Bagdad immer noch amerikanische Einheiten gegen Posten irakischer Truppen und sichern Häuser.
Auch im Nordirak bei Mosul kämpfen amerikanische Truppen gegen irakische Truppen, britische Verbände in Städten im Südirak.
Sollte sich Hussein in seine Heimatstadt Tikrit, Anhänger und Angehörige der Verwaltung in die Berge geflüchtet haben, stehen noch weitere Kämpfe bevor.

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Foto: DPA

Der Zusammenbruch des Hussein-Regimes in Bagdad und das sich daraus ergebende Machtvakuum wird von Irakern genutzt, um an diesem Tag Regierungsgebäude und Geschäfte in allen eroberten Städten zu plündern - später auch Botschaften und Krankenhäuser, denen noch das Letzte an Medikamenten genommen wird, was noch vorhanden war, während die amerikanischen Truppen zuschauen.
Die US-Soldaten sind aufgrund der unsicheren Lage in Bagdad nicht in der Lage, polizeiliche Aufgaben wahrzunehmen oder hinter dem Zulassen der Eskalation von Plünderungen steht das Kalkül, sich später um so besser der irakischen Bevölkerung als notwendige Ordnungsmacht präsentieren zu können.

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Die Bilder aus Bagdad lösen in allen Städten des Iraks Feiern und Aktionen gegen die sichtbare Präsenz Saddam Husseins aus. Wie hier in Arbil werden Bilder Husseins verbrannt, Statuen demontiert, Plakate zerfetzt, nach 24 Jahren Diktatur und den Kriegswochen hat die Bevölkerung zum ersten Mal Gelegeheit, der Wut gegen den Diktator und der Freude, daß endlich ein Ende des Krieges zu sehen ist, freien Lauf zu lassen.

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Foto: DPA

Hinter den Bildern von Jubelfeiern, eroberten Städten und zerstörten Zeugnissen des Hussein Personenkultes geht das Leiden der Zivilbevölkerung weiter. Noch immer werden Wohngebiete von Bomben und Raketen der US Air Force getroffen, Verletzte in die überlasteten Krankenhäuser zu Hunderten eingeliefert und Tote aus den Trümmern geborgen. Das Rote Kreuz musste aufgrund der Kämpfe in Bagdad seine Hilfeleistungen einstellen. Die sogenannte "humanitäre Lage" ist katastrophal.
Als Besatzungsmacht haben die USA und Großbritannien für die nötige Versorgung der Krankenhäuser mit Medikamenten und medizinischen Mitteln, der Bevölkerung mit Trinkwasser und Lebensmitteln und einem gesicherten Zugang für Hilfsorganisationen zu sorgen und dafür auch im Zweifelsfall ihre Kampfhandlungen zu unterbrechen - diesen Pflichten wird genauso wenig oder überhaupt nicht nachgekommen wie für den Schutz der Wohnhäuser der Iraker vor Überfällen und Plünderungen zu sorgen.
Damit verstoßen die USA und Großbritannien gleich gegen drei Abkommen, welche die Pflichten von Besatzungsmächten während eines Krieges regeln: Die Haager Landkriegsordnung von 1907, die Genfer Konvention von 1949 und deren erstes Zusatzprotokoll.