Über das Zertifizieren von User-IDs eines fremden, öffentlichen Schlüsseln, bzw. das Zertifizieren von User-IDs der eigenen, öffentlichen Schlüsseln durch andere Schlüsselbesitzer (und Zertifizierungsstellen) bestätigen sich GnuPG Anwender gegenseitig nach Prüfvorschriften die Echtheit ihrer Schlüssel und bilden darüber das Web of Trust ("Netz von Vertrauensbeziehungen"), Zertifikate stellen also "Echtheitssigel" dar.
Der Hintergrund der Zertifikate und des Web of Trust wird auf der Seite Das OpenPGP Web of Trust erläutert und sollte durchgelesen werden, bevor man ein einziges Zertifikat unter einen anderen öffentlichen Schlüssel setzt.
Zertifikate können einem Schlüssel exportierbar zugeordnet werden oder nur lokale Gültigkeit besitzen. Im ersten Fall kann das Zertifikat zusammen mit dem Schlüssel in eine Datei exportiert oder auf einen Schlüsselserver hochgeladen werden, was zur Bildung des globalen Web of Trust, an dem andere GnuPG Anwender mitwirken, beiträgt. Im letzteren Fall verbleibt das Zertifikat immer im eigenen, öffentlichen Schlüsselring. Außer dem GnuPG Anwender erfährt kein anderer GnuPG Anwender von den Zertifikaten. Sie bilden sozusagen ein lokales Web of Trust, das nur dem einzelnen GnuPG Anwender zur Einschätzung und Bewertung von Schlüsseln dient.
Außerdem gibt es Zertifikate verschiedener "Qualitätsstufen", deren Vergabe sich danach richtet, wie sorgfältig ein Schlüssel vor der Zertifizierung auf seine Echtheit hin überprüft wurde.
Zur Erläuterung des Zertifizierens wird GPGkeys der GPGshell verwendet, weil das Prozedere sowohl grafisch als auch in der Konsole abläuft.
Die Screenshots machen auch deutlich, dass nicht jeder Aspekt der GnuPG Shells mit einer Abbildung dokumentiert werden kann, weil dies den Rahmen der Anleitung sprengen würde. Jeder Anwender kann aber davon ausgehen, dass es für fast jedes GnuPG Kommando eine Entsprechung bei den GnuPG Shells gibt, nur wird der Anwender je nach GUI mehr oder weniger trotzdem mit der Arbeit in der Konsole konfrontiert werden.



In der Konsole würde man einen Schlüssel direkt mit GnuPG so zertifizieren:
Besitzt man mehrere Hauptsignierschlüssel, kann ein bestimmter Schlüssel mit gpg -u Key-ID in der Konsole oder über die Option default-key Key-ID in der gpg.conf festgelegt werden.








Nach dem Zertifizieren kann bei einem Schlüssel mit exportierbarem Zertifikat der Schlüssel an den Schlüsselbesitzer gesendet werden, der ihn ggf. an einen Schlüsselserver weiterleitet.
Ein weiteres wichtiges Merkmal, das zusammen mit den Zertifikaten Bestandteil des Web of Trust ist, ist das Vertrauen, das man einem GnuPG Anwender in seiner Eigenschaft als Zertifizierer anderer Schlüssel zuordnen kann und das den Wert seiner Zertifikate mitbestimmt.
Indirekt beeinflusst das primär ausgesprochene Vertrauen auch die Aussage zur Echtheit eines Schlüssels, den der GnuPG Anwender oder ein anderer GnuPG Anwender, der seinerseits vom ersten GnuPG Anwender zertifiziert wurde, zertifiziert hat.
Bei der Zuordnung des Vertauensgrades ("Trust Level") über den trust Befehl treten Vertrauensgrade nur lokal in Erscheinung - bei GnuPG Shells z. B. in Form eines grafischen Trust Anzeigebalkens, werden von GnuPG in der Trust-Datenbank trustdb.gpg gespeichert und nicht in den Angaben zu einem Schlüssel, den sich ein GnuPG Anwender vom Schlüsselserver holt.
Anders sieht es aus, wenn man für den Schlüsselbesitzer mit dem tsign Befehl ein Trust-Zertifikat ausstellt. In einem Trust-Zertifikat, das mit dem Schlüssel exportiert wird, ist gespeichert, ob man dem Schlüsselbesitzer voll oder nur marginal vertraut, verantwortungsvoll und korrekt die Echtheit anderer Schlüssel zu prüfen, bevor er andere Schlüssel zertifiziert.
Außerdem wird im Trust-Zertifikat angegeben, bis zu welcher Zertifizierungstiefe der zuerst Zertifizierte unseren Vertrauensgrad an weitere Zertifizierer bis zum zuletzt Zertifizierten weiterreichen oder "vererben" kann. D. h. welche Zertifikate von indirekt zertifizierten Schlüsseln ebenfalls für uns Geltung besitzen.
Bei PGP wird das Konzept des Trust-Zertifikats als "Trusted Introducer" bezeichnet.
Ein optimaler, öffentlicher Schlüsselring sieht so aus, dass alle Schlüssel Zertifikate tragen, die man selbst ausgestellt hat (mindestens als lokales Zertifikat) oder die von Schlüsseln stammen, die man ebenfalls zertifiziert hat oder deren Zertifikate von anderen vertrauenswürdigen Schlüsselbesitzern stammen. Außerdem besitzen viele öffentlichen Schlüssel einen zugeordneten Vertrauensgrad.
Während eine Aussage zur Echtheit eines Schlüssels in Form eines Zertifikats aufgrund formaler Prüfkriterien ohne Kenntnis der Person des Schlüsselbesitzers möglich ist, ist die Einschätzung seiner Vertrauenswürdigkeit, ebenfalls diese formalen Prüfkriterien zu befolgen, an die Kenntnis der Person gebunden.
| Befehlseingabe | Anzeige | Ich vertraue dem Schlüsselbesitzer |
|---|---|---|
| - | -/- | nicht berechnet |
| 1 | q/- | unbekannt/nicht genug Infos zur Berrechnung |
| 2 | n/- | nein |
| 3 | m/- | marginal |
| 4 | f/- | voll |
| 5 | u/- | ultimativ |