Auf den Seiten 14 und 16 der Frühjahrsausgabe 2003 des INSCOM Journals, einem Magazin, in dem u. a. neueste Entwicklungen innerhalb des INSCOM oder Reden der INSCOM Kommandeure dokumentiert werden, findet sich ein Artikel, der bereits Anfang 2003 die Prozesse um die Auflösung der ECHELON Station in Bad Aibling beschreibt und die damit einhergehende Aufteilung der in Bad Aibling stationierten INSCOM Truppenverbände. Wie es in dem Artikel heißt, wird ein kleiner Teil zur größten ECHELON Anlage in Menwith Hill, Großbritannien verlegt, der größte Teil wird aber nach Darmstadt auf ein Gelände verlegt, dass als "Dagger Complex" bezeichnet wird, das zu diesem Zweck erweitert werden soll. In diesem Artikel wird Griesheim nicht erwähnt. Allerdings bereits 1999 in anderen Quellen (s. u.), die den Umzug des gesamten INSCOM Kommandos 1999 thematisierten.
Mit den Informationen der Artikel des Griesheimer Anzeigers Anfang 2004 steht endgültig fest, dass Griesheim die neue Heimat von INSCOM und der Bad Aibling Mannschaft ist. Der Bau einer Radome-Station ähnlich wie der in Bad Aibling oder in größerem Maßstab wie in Menwith Hill, wird erst durch die Artikel des ECHO und des Griesheimer Anzeigers im Oktober 2003 bekannt.
In mehreren Artikeln berichtet im Oktober 2003 das Darmstädter Echo über den Bau einer Radomeanlage durch die US-Armee auf dem Gelände des ehemaligen August-Euler-Flugplatzes, der neben dem Griesheimer Stadtteil St. Stephan und in einem Naturschutzgebiet liegt.
Wie es in den Artikeln heißt, sei laut Information des Sprechers des Regierungspräsidiums Darmstadt Dieter Ohl der Bau von vier Sende- und einer Empfangssatellitenanlagen in der Planung, jede rund 16 Meter hoch mit 7 Metern im Durchmesser und bereits vom Regierungspräsidium aufgrund des NATO-Truppenbauverfahrens genehmigt. Die Genehmigung ist bis zum 31.12.2012 befristet.
Mit den fünf Radomen wäre die Anlage im Vergleich zu Bad Aibling deutlich kleiner.
Beim Bürgermeister von Griesheim Norbert Leber, der von der US-Armee, dem Regierungspräsidium Darmstadt und der Stadt Darmstadt erst verspätet über das Vorhaben unterrichtet wurde, ist im Artikel von der "Errichtung einer ICEBox Radarsstation durch die US-Navy" die Rede. Die US-Armee teilte Leber in einem Gespräch mit, die US-Armee hätte bereits seit einem Jahr mit deutschen Behörden Gespräche zum Bau der Station geführt.
Der Artikel schließt mit der Frage nach dem Zweck der Anlage, die in einem Gespräch mit dem Darmstädter Echo von Norbert Leber mit der Aussage beantwortet wurde "Meine Informationen deuten darauf hin, dass sie zum Spionagesystem Echelon gehören, mit dem Telefongespräche überwacht werden."
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Was würde für die Informationen des Griesheimer Bürgermeisters sprechen, die Station in Griesheim würde zum ECHELON Verbund gehören?
Da wären zum einen die Informationen, die aus den obigen Quellen und den Berichten zur Auflösung der Station in Bad Aibling hervorgehen. Der Großteil der Verbände in Bad Aibling wird nach Griesheim verlegt, der andere Teil zur ECHELON Anlage Menwith Hill.
Für Griesheim als Standort für eine ECHELON Station spricht auch, dass bereits 1999 das Intelligence & Security Command (INSCOM) von Augsburg nach Griesheim verlegt wurde. Mit der Verlegung von 50 Geheimdienstbereichen hatte die US-Armee schon 1995 begonnen und dazu 18 Millionen US$ aufwenden müssen.
Mit INSCOM wurde auch die 66th Military Intelligence Group und deren 527 Military Intelligence Battalion nach Griesheim verlegt. Damit wären die bekannten Geheimdienstabteilungen der US-Armee, die auch die Station Bad Aibling betreiben, in Griesheim zu finden.
Die Tätigkeitsbereiche der INSCOM Verbände in Griesheim bestehen, wie bereits auf der Seite zu Bad Aibling dokumentiert, in der Sammlung und Aufbereitung nachrichtendienstlicher Informationen, die sich aus dem Abhören von Telekommunikation ergeben, im Auftrag oder in enger Zusammenarbeit mit der National Security Agency (NSA) und der Übermittlung der gewonnenen Erkenntnisse zum Hauptquartier der NSA in den USA. Für beide Zwecke benötigt man Stationen mit Abfang- und Sendeantennen - eben jene Antennen, wie sie in Bad Aibling zu finden waren und nun in Griesheim aufgebaut werden.
Im Artikel US-Offizier bestätigt: Militär-Nachrichtendienst hat sein Hauptquartier nach Griesheim verlegt (PDF) des Griesheimer Anzeigers vom 01.10.2003 berichtete der Griesheimer Anzeiger über die näheren Umstände, lokalen Gegebenheiten, Hintergründe und weiteren Bestätigungen durch Vertreter des U.S. Militärs und Meldungen in Medien der Geheimdienst-Community zum Umzug des INSCOM Kommandos und der 66th MIG in die Gebäude einer ehemaligen Grundschule.
Laut des Artikels US-Satelliten-Anlage von Bad Aibling wird auf dem Euler-Flugplatz installiert (PDF) des Griesheimer Anzeigers, der ebenfalls am 01.10.2003 veröffentlicht wurde, bestätigte eine Pressesprecherin der US-Standortkommandantur dem Griesheimer Anzeiger, dass die Anlage in Griesheim die Station in Bad Aibling ersetzen soll. Der Artikel schildert auch Details zum Genehmigungsverfahren und den rechtlichen Voraussetzungen, die herangezogen wurden, um der U. S. Army die Errichtung unter Ausschluss der Stadt Darmstadt, der Stadt Griesheim oder der Naturschutzbehörde bewilligen zu können. Berief man sich im Fall der Station in Bad Aibling noch auf die vermeintliche Gültigkeit eines Zusatzabkommens zum Nato-Truppenstatut (s. u.), hat man laut des Artikels für die Station in Griesheim diesmal einen anderen Weg gewählt.
Wie es in dem Artikel heißt:
Die beiden Artikel wurden freundlicherweise vom Griesheimer Anzeiger zur Veröffentlichung auf dieser Seite bereitgestellt.


Die PDF Datei Umgebung der neuen US-Spionagestation in Darmstadt bietet ergänzend eine Luftaufnahme des Baugeländes mit erläuternden Anmerkungen.
Im Archiv statdgriesheim.zip sind weitere Dokumente zu den Geschehnissen in Griesheim enthalten.Am 02.11.2003 stellte der Stadtverordnete Rainer Keil für die Fraktion Linkspartei - DIE LINKE Darmstadt folgende Kleine Anfrage an den Magistrat der Stadt Darmstadt (Quelle):
Am 13.11.2003 erfolgte die Antwort auf die Kleine Anfrage durch den Stadtrat Dipl.-Ing. Dieter Wenzel für den Magistrat (Quelle):
Neben anderen Fragen - wie z. B. welchen Truppenverbänden die Vertreter der US-Army angehörten, bzw. für welche Truppenverbände die Vertreter sprachen - die diese Ausführungen aufwerfen, stellt sich hier bereits die Frage, warum überhaupt ständig von Vertretern der US-Army und der US-Army die Rede ist, während später in den Mitteilungen von Vertretern der US-Army und der US-Navy ab den Griesheimer Anzeiger ständig die Behauptung erhoben wird, die Station in Griesheim wäre eine reine Angelegenheit der US-Navy und hätte nichts mit dem INSCOM der US-Army zu tun.
Mit den Bauarbeiten wurde im Dezember 2003 begonnen.
Erläuterung zu den Aufnahmen:
Die Station wird auf einer Seite (Norden) durch ein kleines Wäldchen (das als Teil des Naturschutzgebietes "ehemaliger Euler-Flugplatz" umzäunt und nicht zugänglich ist) vor direkten Blicken durch Fußgänger geschützt sein. Allerdings haben die Bewohner der Wohnanlagen hinter dem Waldstück eine gute Einsicht auf das Gelände.
Die Aufnahmen von der Baustelle wurden vom südlichen Zaun des Euler-Flugplatzes gemacht. Die Ost-Seite des Bauplatzes ist bereits stark bewachtes US-Militärgelände, das mit einem absolutem Fotografierverbot ausgewiesen ist, was bei militärischen Anlagen der U. S. Streitkräfte und allen Echelon-Stationen üblich ist.



Wie der Bürgermeister von Griesheim dem Umweltausschuss der Stadt Griesheim mitteilte, hat die Stadt Griesheim Emissionsmessungen im gesamten Bereich der zukünftigen Station durchführen lassen. Die Voraussetzung, um die Werte nach Errichtung und Inbetriebnahme der Station mit den tatsächlichen Emissionen vergleichen zu können. Mittlerweile hat die Stadt Griesheim über eine Würzburger Anwaltskanzlei Widerspruch gegen die Errichtung der Station eingereicht und darin auch auf den vermutlichen Verwendungszweck als Station innerhalb des ECHELON Verbundes hingewiesen.
Weitere Details und Informationen im Artikel Icebox-Antennen gefährlich oder nicht? des Griesheimer Anzeigers vom 07.02.2004.
Während der Bau der ECHELON Station weiter geht, hat das Regierungspräsidium Darmstadt den Widerspruch der Stadt Griesheim gegen die Genehmigung durch das Regierungspräsidium und die ausgebliebene Möglichkeit der Stellungnahme seitens der Stadt Griesheim abgeschmettert. Die Stadt Griesheim erwägt nun, gegen die Entscheidung des Rgeierungspräsidiums vor das Verwaltungsgericht zu gehen und hat dafür die ersten Vorbereitungen getroffen, denn Griesheim muss innerhalb eines Monats der Entscheidung des Regierungspräsidiums entgegentreten.
Weitere Informationen im Artikel Griesheim prüft Klage von ECHO-Online vom 14.02.2004.
Im Artikel Icebox: Die Fundamente stehen! des Griesheimer Anzeigers vom 14.02.2003 wurden zwei Luftaufnahmen vom Bau der ECHELON Station in Griesheim veröffentlicht, die deutlich zeigen, dass der Bau der Antennenanlagen zügig voranschreitet.

Wenn man noch einen letzten Beweis für die Feststellung benötigte, die Station in Griesheim sei der Nachfolger von Bad Aibling, dann ist es die im Artikel getroffene Aussage, dass es sich bei den Parabolantennen nicht etwas um neue Antennen handelt, sondern um die Antennen, die bereits in Bad Aibling montiert waren, wo sie jetzt abgebaut und nach Griesheim verbracht werden. Der Griesheimer Anzeiger hat außerdem mit einem Lieutnant des Europakommandos der US-Navy gesprochen, der die Station in Griesheim als "communication relay facility" beschrieb - eine übliche Bezeichnung in Geheimdienstkreisen für die ECHELON Stationen. Der Artikel bietet ebenfalls weitere Informationen zum Widerspruchsverfahren der Stadt Griesheim.
Das immer die US-Navy mit im Spiel ist, erklärt sich daraus, dass es den U.S. Naval Security Activity (Navy-NSGA) Verband des Naval Security Group Command (NAVSECGRU) der Navy gibt, der als Betreiber von zahlreichen ECHELON Stationen auftritt. Wie bereits auf der Bad Aibling Seite beschrieben, stellt die NSGA, deren Hauptquartier sich direkt neben dem Hauptquartier der NSA in Fort Meade befindet, den kryptologischen Truppenverband der Navy dar, der für die Entschlüsselung der abgefangenen Telekommunikation und die kryptologische Absicherung der zu übertragenden Informationen zuständig ist, die nach Fort Meade oder andere ECHELON Stationen übertragen werden. Teile des Personals der NSGA arbeiten auch direkt bei der NSA, wie es auf der FAS Seite zum NSGA-HQ heißt.
Auf der Seite zur Geschichte der NSGA wird das so umschrieben:
Auf der Seite zur Missionserklärung der ECHELON Station in Rota, Spanien, wird die Aufgabe der NSGA so beschrieben:
Obwohl es sich hier um die 373rd Intelligence Group handelt, die ebenso wie NSGA auf der ECHELON Station Misawa, Japan stationiert ist, dürfte die Missionsbeschreibung auch auf Tätigkeiten von NSGA zutreffen:
Im September 2005 wurde NAVSECGRU und damit die NSGA aufgelöst und ist laut der Pressemitteilung Naval Security Group Aligns with NETWARCOM seit dem 30.09.2005 Bestandteil des Naval Network Warfare Command (NETWARCOM). Die Aufgaben des NETWARCOM umfassen elektronische und psychologische Kriegsführung und militärische Gegenspionage. Die NSGA Echelonstationen tragen seit der Verschmelzung mit NETWARCOM die Bezeichungen Navy Information Operations Commands (NIOC) und für kleinere Stationen Navy Information Operations Detachments (NIOD).
In der Pressemitteilung First NIOC Stands Up as NSGAs Align with NETWARCOM zur ersten Eingliederung der NIOC San Diego im Juli 2005 heißt es: "A number of personnel and other functions will remain at Fort Meade, Md., as components of NETWARCOM to uphold ongoing responsibilities in support of the National Security Agency."
Am 24.02.04 wurde folgende E-Mail an Rainer Funke (FDP) geschrieben, der Vorsitzender des Arbeitskreises Innen- und Rechtspolitik, rechts- und postpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion sowie Mitglied des Bundestag Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und des Rechtsausschuss ist. Im Jahr 2000 war Herr Funke an einer Anfrage der FDP an die Bundesregierung bzgl. Echelon und Bad Aibling beteiligt:
Dieser Anfrage war eine ähnliche E-Mail an Hans-Christian Ströbele (Grüne), der Mitglied der G-10 Kontrollkommision ist und ein Rundbrief seitens eines Mitglieds der Bürgerinitiative "ICEbox Griesheim" an diverse Bundesbehörden, Datenschutzbeauftragte und Parteien vorausgegangen.
Auf die beiden E-Mails ist bis heute, wie erwartet, keine Antwort erfolgt.
Anfang Februar hatte die Fraktion Linkspartei - DIE LINKE Darmstadt in die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Darmstadt folgenden Antrag eingebracht:
Der vollständige Antrag mit der Begründung, die auch auf die Rolle der Station als potentielles Angriffsziel im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen und die mögliche Unterhöhlung des Post- und Fernmeldegeheimnisses sowie des Datenschutzes durch die SIGINT Aktivitäten eingeht, ist auf der Website der Linkspartei - DIE LINKE Darmstadt dokumentiert.
Am 02.03.04 hatte sich die Bürgerinitiative "ICEbox Griesheim", die sich für die Verhinderung der Echelonstation und zur Aufklärung der Griesheimer Bevölkerung gebildet hatte, mit dem Griesheimer Bürgermeister Leber zu einem Gespräch getroffen. Dabei kam auch das Thema der Klage der Stadt Griesheim zu Sprache, für deren Einreichung die Frist am 09.03.04 abläuft. Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte den Griesheimer Widerspruch mit der Begründung abgeleht, bei der Bewilligung des Baus handle es sich um einen reinen Verwaltungsakt, gegen den in Hessen kein Rechtsweg möglich ist. Eine Klage ist mit einem finanziellen Risiko von 20 bis 30000 Euro verbunden, wenn die Stadt Griesheim unterliegen würde. Die Stadt Griesheim wird auf jeden Fall mit der Überwachung der Strahlenemissionen durch die Antennen fortfahren und weiter versuchen, den Bauverlauf und die Anlage mit Luftaufnahmen dokumentieren zu lassen.
Die Bürgerinitiative plant außerdem eine Informationsveranstaltung mit dem Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom am 30.03.04, der sich u. a. auch mit der Echelon Station in Bad Aibling beschäftigt hatte, wird am 08.05.04 ein Info-Straßenfest veranstalten und kann mit Unterstützung der Stadt Griesheim Plakatständer im Stadtgebiet aufstellen.
Im Artikel "Stadt wird nicht gegen 'Icebox klagen" vom 06.03.04 berichtet der Griesheimer Anzeiger, dass die Stadt Grieheim keine Klage erheben wird, weil die Erfolgsaussichten nach zwei fachjuristischen Beurteilungen zu gering sind.
Der Artikel berichtet auch von einem Beitrag in der U. S. Soldatenzeitung "Stars and Stripes", in der Captain George Hammer, der Pressesprecher der 66th Military Intelligence Group (MIG), erzählt, die 66th MIG (die auch in Bad Aibling stationiert war) und INSCOM hätten nichts mit der Echelonstation zu tun, die Antennen wären eine reine Angelegenheit der U. S. Navy (zur Rolle der Navy siehe Beitrag zum Februar 2004). Noch 150 Soldaten der 66th MIG würden diesen Sommer von Bad Aibling nach Griesheim verlegt, angeblich, so Hammer, aus organisatorischen Gründen.
Die Aussagen von Hammer sind typische Verschleierungsargumente, die der Desinformation dienen.
Das folgende Interview wurde im März 2004 mit dem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma geführt, die für die U.S. Streitkräfte und das U. S. Außenministerium in Deutschland Sicherungstätigkeiten ausführt und der auf dem Dagger Complex eingesetzt war.
In dem Dokument "Darmstädter Magistrat schweigt - Kein Protest gegen US-Abhöranlage" beschreibt der Stadtverordnete Rainer Keil der Fraktion Linkspartei - DIE LINKE Darmstadt seine Eindrücke der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Darmstadt am 09. März 2004. Während dieser Versammlung des Darmstädter Stadtparlaments wurde auch der Antrag der Linkspartei - DIE LINKE Darmstadt von Anfang Februar 2004 (s. o.) zur Diskussion gestellt. Daraus ein paar Zitate:
Am 22.03.2004 erscheint im Onlinemagazin "Telepolis" des Heise Verlages der Artikel Bleibt das Echelon-Lauschsystem Deutschland erhalten? und im Onlinemagazin "futureZone" des Österreichischen Rundfunks der Artikel ECHELON zieht nach Darmstadt um.

Der Artikel "Operation 'Icebox' - Die Kugeln sind da!" des Griesheimer Anzeigers vom 27.03.2004 dokumentiert die abschließenden Aufbauarbeiten der ECHELON Station in Griesheim, die in der Installation der von Bad Aibling abtransportierten vier Empfangs- und einer Sendeantenne und der Abdeckung mit neuen Radomekuppeln bestehen. Mit Inbetriebnahme des dazugehörigen Kontrollzentrums ist damit die Station funktionsbereit. Bis zum 30.03.2004 waren vier Antennen nach Informationen des Griesheimer Anzeigers komplett überkuppelt. Der Artikel enthält weitere aufschlussreiche Aussagen von Vertretern der U. S. Army und der U. S. Navy und einen kleinen Presserückblick zur Berichterstattung über den Bau der ECHELON Station. Desweiteren findet am 30.03.2004 eine Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative "ICEbox Griesheim" mit dem Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom in Griesheim statt.
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei der Redaktion des Griesheimer Anzeigers bedanken, die mir Artikel zur Verfügung gestellt haben und bei Vertretern der BI "ICEbox Griesheim" für den Informationsaustausch. Keinen Dank verdienen Landes- und Bundespolitiker der Parteien CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne, die sich während des gesammten Zeitraums bedeckt hielten.
In der Frankfurter Rundschau ist am 02.04.04 der Artikel "Kleines Rad in der US-Kriegsmaschinerie", im Echo-Online am 01.04.04 der Artikel "Das große Ohr von Griesheim" und im Griesheimer Anzeiger am 03.04.04 der Artikel "Die Radome werden wachsen" über die Informationsveranstaltung in Griesheim zur ECHELON Station mit dem Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom, dem Leiter des Forschungsinstituts für Friedenspolitik, erschienen. Herr Schmidt-Eenboom befasst sich seit Jahren mit der deutschen und internationalen Geheimdienstlandschaft, in diesem Zusammenhang auch mit dem ECHELON Verbund und hat zu diesem Thema bereits einige Bücher verfasst.
Im Artikel des Griesheimer Anzeigers und im Artikel der FR hatte Schmidt-Eenboom eine mögliche Strahlenbelastung der Bevölkerung durch die Antennen ausgeschlossen. Dem Griesheimer Anzeiger zufolge hatte er aber auf der Infoveranstaltung erklärt, dass sich die Anzahl der Radome erhöhen würden, "...sobald die US-Streitkräfte einen größeren Bedarf an satellitengestützter Kommunikation hätten" und weiter ausgeführt, dass mit der Auswertung der abgefangenen Informationen zwar die Military Intelligence Einheiten des benachbarten INSCOM Kommandos befasst seien, diese aber unter der Oberaufsicht der NSA operieren würden (siehe u. a. INSCOM in Bad Aibling und INSCOM, die U. S. Geheimdienst-Community und die NSA). Zur rechtlichen Grundlage der Station, die sich auf Paragraphen des Baugesetzes, die sich auf Anlagen zur Landesverteidigung beziehen (s. o.), bemerkte Schmidt-Eenboom laut Griesheimer Anzeiger "jeder Insider weiß, dass diese Anlage nicht der Landesverteidigung dient."
In der FR heißt es dazu, "aus Sicht des Geheimdienstkritikers, Erich Schmidt-Eenboom, handelt es sich dabei 'sehr wahrscheinlich um eine Echelon-Station' (...) Die US-Einrichtung sei Teil eines Sendesystems, das weltweit nachrichtendienstliche und wirtschaftliche Informationen aus anderen Ländern auswertet. 'Auch die US-Militäraufklärung, mit denen der völkerrechtswidrige Krieg in Irak geführt worden ist, wurde mit Hilfe dieses Systems koordiniert', sagt Schmidt-Eenboom."
Im Echo-Online Artikel wird Schmidt-Eenboom mit der Aussage zur Station in Griesheim zitiert, "sie wird Teil des multinationalen Lauschverbunds sein, mit dem die USA Industriespionage betreiben".
Desweiteren kommen in dem Artikel der FR Regina Hagen zu Wort, die in der Griesheimer Bürgerinitiative "ICEbox" mitarbeitet, der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch, für den Verstöße der NSA und des INSCOM gegen deutsches Datenschutzrecht ein "unfreundlicher Akt der Amerikaner" wäre, ein nicht namentlich genannter Regierungssprecher, zu dessen Stellungnahme es in der FR heißt "an den Angaben der US-Amerikaner, wonach die Militärs dort Ausbildung und Training im Bereich der militärischen Aufklärung absolvieren, 'hat die Bundesregierung keinen Anlass zu zweifeln'" und der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Gerhard Schmid, der 2000/2001 an dem nichtständigen EU-Untersuchungsausschuss zum ECHELON-Verbund mitwirkte. Schmid hebt in dem Artikel der FR einerseits die "militärische Bedeutung der Anlage" hervor, trifft aber andererseits die Aussage, "das System diene der Beschaffung von Erkenntnissen in den Bereichen militärische Sicherheit, Außenpolitik, Organisierte Kriminalität und Terrorismus."
Wie Echo-Online in dem Artikel Ortstermin in der "ICE-Box" am 14.05.04 berichtete, haben der Bürgermeister der Stadt Griesheim Norbert Leber und Vertreter der Fraktionen eine Ortsbesichtigung der Echelonstation vorgenommen. In der darauffolgenden Sitzung des Umweltausschusses der Stadt teilte Leber nur mit, von der Station würde wohl keine Strahlenbelastung durch Radaranlagen für die Anwohner ausgehen, auch keine Lärmbelästigung oder nächtliche Ruhestörung durch Scheinwerfer, da die Anlage per Infrarotsensoren überwacht und nur von einer Betriebsmannschaft von 12 Soldaten gesteuert wird. Der Zweck der Station und eine mögliche Terroranschlagsgefahr war für die Stadtvertreter kein Thema mehr.
Dazu genügen den Stadtvertretern mittlerweile die mündlichen Versicherungen der Vertreter der US-Navy, "...mit der Anlage würden ausschließlich Daten von Satelliten der US-Navy empfangen und diese gebündelt in die USA durch einen Sender weiter übermittelt. Man empfange ausschließlich Daten, nicht aber Worte oder bewegte Bilder (...) Abhöraktionen von Telefonaten gebe es nicht."
Von großer Kooperation mit der Bürgerinitaitive "ICEbox", die sich gegen die Station mit Aktionen zur Wehr setzte, kann auch keine Rede mehr sein.
In einem offenen Brief an den Dezernenten für Stadtökologie der Stadt Darmstadt und das Regierungspräsidium Darmstadt, das den Bau der Station genehmigt hatte, richtete Mitte Juni das Friedensforum Darmstadt, das in der Bürgerinitiative "ICEbox" in Griesheim mitarbeitet, die Bitte um Aufklärung einer Beobachtung, die Mitglieder bei einer Ortsbesichtigung am 16. Juni 2004 machten. Demnach wurden die fünf Radome mittlerweile durch drei auf LKWs montierte, mobile Anlagen erweitert; eine der Anlagen besteht aus einer Satelittenschüssel, die beiden anderen vermutlich aus Radarantennen.
Der Hessische Rundfunk berichtete am 01.10.2004 in dem Artikel US-Armee lauscht von Darmstadt aus über die Station in Griesheim.

Wie aus dem Artikel hervorgeht, hatte der Hessische Rundfunk wie zuvor Echo-Online, das Oberkommando für Europa der US-Navy in London [siehe auch U.S. Naval Computer Telecommunications Area Master Station (NCTAMS) Detachment London und U. S. Marine Corps Forces Europe] kontaktiert, da ja die Station "offiziell" der US-Navy untersteht.
Dem Hessischen Rundfunk bestätigte auch Terence Dudlee, ein Sprecher des US-Navy Kommandos, dass es sich bei der Station in Griesheim um die verlagerte Station in Bad Aibling als "…Teil der Schließung von Militärbasen und der Neuorganisation in Europa" handelt.
Zur Ausstattung und den Nutzern der Station in Griesheim erklärte Dudlee dem Hessischen Rundfunk: "Es handelt sich um vier große Empfangsantennen, mit denen Signale aufgefangen werden, sowie eine Sendeanlage, die nach Westen ausgerichtet ist. Von dort werden die Aufzeichnungen in die USA übertragen." Die Station würde neben der US-Navy auch von den Geheimdiensten genutzt werden.
Wozu die Station im Detail genutzt wird, wollte der Sprecher dem Hessischen Rundfunk aus nachvollziehbaren Gründen nicht mitteilen. Wie es im Artikel heißt: "Welche Signale aufgezeichnet werden, will der Sprecher der US-Navy nicht sagen."
Wie aus einer Mitteilung des U. S. Navy Kommandos vom 27. Oktober 2005 hervorgeht, wurde die U. S. Naval Security Group (NAVSECGRU) Militäreinheit in Griesheim zum 30. September 2006 aufgelöst. In dem Anschreiben heißt es, dass "wesentliche Aufklärungsoperation durch andere Stationen weiter fortgeführt werden", d. h. sich in der Station Griesheim nur noch Sicherheits- und Wartungspersonal bewegen dürfte und die Anlage durch eine andere Echelon-Station fernbedient wird:

Aus einem Artikel der Frankfurter Rundschau vom 30. Juni 2007 geht nach Bestätigungen seitens der US-Armee hervor, dass die Anlage in Griesheim bis Ende 2007 abgebaut und bis Ende 2008 der Standort komplett von der US-Armee aufgegeben wird. Damit einhergehend wird die 66. Military Intelligence Group, die bereits für den Betrieb der Bad Aibling Station mitverantwortlich war, nach Wiesbaden verlegt.